Intuition

Rund um die Uhr, bewusst oder unbewusst, navigieren wir ständig mit unseren Intuitionen als überlebenswichtigen Frühwarnsystemen. Ein Autofahrt zur Hauptverkehrszeit, der Gang durch eine Einkaufszone würden zu einem albtraumhaften Erlebnis, wenn uns die Intuition verlassen würde. Ohne intuitives Wissen für erwartete Abläufe könnten wir uns in dieser Welt nicht ohne Kollisionen bewegen. Durch Intuitionen lassen sich komplexe Situationen in einer Art des unmittelbaren Erkennens als Ganzes erfassen. Intuitionen, die sich als Vorahnung äußern, werden auch als «siebter Sinn» oder als Instinkt bezeichnet.

Weil wir nicht wirklich wissen, wie Intuitionen «funktionieren», vermuten wir, dass sie «aus dem Bauch» kommen, weil das einfach, nachvollziehbar und so schön emotional klingt. Doch in ihrer Komplexität basieren Intuitionen auf individuellen Erfahrungen, die ein Raster bilden aus Emotionen, Methoden, Gewohnheiten. Im Verbund mit den Ausrichtungen unserer Sinneswahrnehmungen hält sich dieses Raster permanent in Bereitschaft, um komplexe Zusammenhänge, wie in einem ganzen Bild zu erfassen und in direkte wirksame Handlungen umzusetzen.

Logik und Vernunft widersprechen häufig unseren intuitiven Eingebungen. Das lässt sich nicht vermeiden, weil intuitive Gehirnprozesse um ein Mehrfaches schneller sind als logische Denkstrukturen. Bevor wir den ersten Gedanken fassen können, hat die Intuition schon entschieden. Das scheint ein plausibler Grund dafür zu sein, dass wir Intuitionen zunächst ausblenden, um Zeit zu gewinnen für Denkprozesse, die wir Logik oder Vernunft nennen. An dieser Schnittstelle entsteht die Ambivalenz, ob wir auf die Eingebung, also die Intuition, hören, oder ob wir unserem Wissen vertrauen. Denn im Grunde wollen wir oft nicht wahrhaben, wie direkt und unausweichlich wir von unserem Unbewussten abhängig sind. Wer kennt nicht diese Situation, sich trotz eines «komischen Gefühles im Bauch» auf Menschen oder Gegebenheiten einzulassen. Später dann kommt die reuige Einsicht, dass man nicht auf seinen «Bauch» oder, genauer gesagt, auf seine Intuition gehört hat. In der Hirnforschung werden laufend neue Erkenntnisse darüber gewonnen, welche Kausalitäten zwischen Intuition, Vernunft und unserem Unbewussten bestehen. Sie hat auch empirisch bewiesen, dass Intuitionen nicht das Maß der Dinge sind. Die Fehlbarkeit intuitiven Handelns entspricht der Quote, die auch bei Handlungen entsteht, die sich auf die Vernunft stützen. Ergo: Ob Intuition oder Vernunft, beide schützen uns gleichermaßen nicht vor Irrtümern.
Der entscheidende Vorteil, den die Intuition mit sich bringt:

Bildliches Erkennen einer komplexen Situation.

Entstanden durch die emotionale Wirksamkeit aller Erfahrungen. Die genau in dem Moment greifen, in dem wir handeln. Wenn sich dieses bildliche Erkennen einer Situation mit Empathie verbindet, wird in der Intuition eine zutiefst menschliche Haltung sichtbar: Herz und Verstand werden gleichzeitig wirksam.