Buch "Heimat"

 

Heimat ist ein Gefühl

Für mich besteht Heimat in den Bildern, aus denen meine Gefühle kommen. Dass sich die Gefühle ein Leben lang nicht ändern, ist nicht immer leicht zu akzeptieren. Deswegen ist Heimat so ein ungenaues etwas in meinem Leben, eben so ungenau wie meine Gefühle. Heimat ist ein Versprechen darauf, sich an das Vergessen zu erinnern. Die Erinnerungen verschieben sich wie in einem wiedergefundenen Puzzle. Die fehlenden Teile werden mit den Versatzstücken wohlmeinender Phantasie ergänzt. Zeit wird erlebt als private Zeit, die weder Zukunft, Gegenwart, noch ein Ziel kennt. Heimat ist selbstverständlich und doch – in der Definition werden die Blicke nachdenklich. Sie scheint dort präsent, wo ich gerade nicht bin und dort gegenwärtig, wo die Sehnsucht erinnernd Orientierung findet. Augenfällig und in biederem Schrecken treten die Heimatsüchtigen wie im Karaoke vor eine vorgefertigte Scheinwelt.

Wahrhaftig erlebbar kommt die geistige Heimat als ein Kontinuum in der Zeit daher. Mit Fragen und Antworten, die sich auf das Heute beziehen. Heimat, die keine Fragen stellt oder Antworten gibt, darf getrost in der Abteilung Kitsch und Pathos abgestellt werden. Heimat als Herkunft und Motivation, um Grenzen hinter dem Horizont zu finden, wird zu einer Vision jenseits aller Rituale - zärtlich, schaurig und schön.
Der heimatlose „Fremde“ in Albert Camus gleichnamigem Buch erfüllt seine Sehnsucht in dem Gedanken, alles noch einmal zu erleben - wieder heimzukommen. "Und ich fühlte mich bereit, alles noch einmal zu erleben. Als hätte der große Zorn mich von allem Übel gereinigt und mir alle Hoffnung genommen, wurde ich angesichts dieser Nacht voller Zeichen und Sterne zum ersten Mal empfänglich für die zärtliche Gleichgütigkeit dieser Welt."

http://www.blurb.de/books/4102933-eine-heimat-geht-bankrott